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Mit dem Schmerz umgehen

Offenbach, 26.02.2011 ‐ „Und jetzt alle laaang machen“, ruft Bastian Klinzing den Frauen und Männern auf den Matten zu. Die sechs Teilnehmer des Ortho-Trainings geben ihr Bestes, gehen per Ausfallschritt in die Kniebeuge und strecken die Arme in die Höhe. Die Wangen sind gerötet, der Gesichtsausdruck leicht verkrampft. Nur der „Vorturner“ grinst: Bastian Klinzing weiß, wo es bei den Senioren zwickt und zwackt. „Lernen, mit dem Schmerzen umzugehen“, lautet einer seiner Grundsätze. Von Jörn Polzin

Was sich da in den Räumen der Offenbacher Volkshochschule abspielt, hat freilich nichts mit Foltermethoden zu tun. Im Gegenteil. Beim Rehabilitationssport sollen die körperlichen Beschwerden verringert werden. Die Teilnehmer haben vor allem Probleme mit dem Rücken, der Wirbelsäule und dem Knie. „Sie können bei uns ihre Beschwerden mit Hilfe eines Kurssystems abtrainieren“, erklärt der Übungsleiter.

Fitnesstrainer Bastian Klinzing unterstützt eine Teilnehmerin bei der Dehnung.

Leonor Costa ist eine von ihnen. Nach zwei Bandscheibenvorfällen führt sie einen ständigen Kampf gegen die Schmerzen. Sie hat vieles ausprobiert, selbst Akkupunktur linderte die Beschwerden nicht. „Wichtig ist es, dass die Teilnehmer ein Bewusstsein für Bewegung entwickeln, motiviert sind und am Ball bleiben“, sagt Klinzing. Seit vergangenem November bietet der 2009 gegründete Verein für Sport in Prävention und Rehabilitation Kurse an. Grund für die längere Vorlaufzeit war eine Ärztetour, die Klinzing und seine Mitstreiter absolvierten. Klinkenputzen war angesagt. „Es war nicht leicht, die Mediziner von diesem Konzept zu überzeugen“, erinnert sich der Offenbacher. Einige seien skeptisch gewesen, andere hätten sich unter dem Begriff Rehasport wenig vorstellen können. „Viel naheliegender ist es ja auch, die Leute ins Fitnessstudio zu schicken.“

Dabei ist das Prinzip einfach und nebenbei auch schonend für den Geldbeutel. Die Ärzte erstellen ein Beschwerdebild des Patienten, das sie dem Verein samt Rezept zukommen lassen. Klinzing, der sich selbst als „Gesicht des Vereins“ bezeichnet, konzipiert ein entsprechendes Übungsprogramm. Die Besonderheit: Die Kosten für zunächst 50 Trainingseinheiten übernimmt die Krankenkasse. „In einzelnen Fällen kann die Anzahl auch verdoppelt werden“, sagt der 35-Jährige.

Davon ist Kathrin Schulz weit entfernt. Heute steht sie zum zweiten Mal auf der Matte - und muss erkennen, dass Balanceübungen bei Hüftbeschwerden nicht ohne sind. Für einen kurzen Moment verliert sie den Halt und rutscht mit der Matte am Boden entlang - wie eine Surferin auf der Wasseroberfläche. Schulz nimmt es mit Humor, freut sich schon auf den nächsten Termin.

Mit dem Programm, das im Sommer um die Disziplinen Cross Fit, Nordic Walking und Gelenkschonendes Laufen erweitert wird, will der Verein in eine Nische vordringen. Angebote schaffen für Menschen, die am Vereinsleben nicht teilnehmen können oder wollen. Weil es dort ein solches Angebot nicht gibt, oder weil den Betroffenen schlichtweg das Geld fehlt. „Viele fallen dem Gesundheitssystem zum Opfer“, betont Klinzing. Die Mitgliedsbeiträge im Verein für Sport in Prävention und Rehabilitation sind vergleichsweise niedrig. Die jährliche Gebühr beträgt 100 Euro. Darin enthalten ist die Teilnahme an allen Kursen mit Ausnahme der Reha-Einheiten. Das Ortho-Training findet montags (ab 18.45) und donnerstags (ab 9.30) in der Volkshochschule statt.

Mehr Infos unter www.vspr-offenbach.de oder 069 / 20 32 42 42